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Little Lilies Diary | 11. June 2017

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To all the ladies: Wie sich mein Leben als junge Mutter verändert hat

Pia
  • am 30. April 2017

Ich war schon in einigen Banden und Clubs, Mitglied im Sportverein und Leaderin meiner „Girl Gang“ am Gymnasium. Aber der coolste Club ist der, in dem ich nun seit einem Jahr Mitglied bin. Die Aufnahmeprüfung war hart, ja, wahrscheinlich das Aufregendste, was ich je erlebt habe. Es war das prägendste und schönste Erlebnis in meinem Leben bisher. Die Geburt meines Sohnes. Seit diesem Tag bin ich Mitglied im weltweit am besten vernetzten Club – dem geheimen Club der Eltern.

Schon als Schwangere konnte ich den ersten kleinen Einblick in den Club der Eltern genießen. Mütter luden mich zum Kaffee trinken zu sich nach Hause ein, vielen Vätern glänzten die Augen im Gespräch über die Geburt ihrer Kinder. Sie gaben mir Tipps, versuchten mich (so weit das möglich ist) vorzubereiten und teilten die Vorfreude auf mein erstes Baby von ganzem Herzen mit mir.

Erst neulich erfuhr ich über Instagram, dass ein alter Bekannter von mir in naher Zukunft ein Baby erwartet. Wir standen bestimmt zwei Jahre nicht in Kontakt, doch ich musste ihn einfach anrufen, um ihm zu gratulieren. Es war überhaupt nicht komisch, wir haben uns einfach beide tierisch gefreut, direkt eine dreiviertel Stunde telefoniert und uns geschworen, uns bald auf einen Kaffee zu trinken. Kinder verbinden, selbst welche, die noch im Bauch auf ihren großen Tag warten.

Die richtigen Fragen, die richtigen Tipps

Wie gesagt – schon während meiner Schwangerschaft habe ich mich viel und am liebsten mit Müttern umgeben. Frauen, die genau wussten, wie ich mich fühlte. Sie haben einfach die richtigen Fragen gestellt und die richtigen Dinge getan. Dinge, wie mir ungefragt immer etwas zu trinken hinzustellen, damit ich nicht dehydriere, zu versuchen, es mir möglichst bequem zu machen, mir Dinge zu bringen oder mir Essen anzubieten.

Sie hatten außerdem immer so eine Selbstverständlichkeit, alles, was ich sagte, z.B. über meine Vorstellung darüber, wie lange ich stillen will und wie ich für mein Kind sein möchte, so hinzunehmen und nicht mit „Ich habe aber das und das gelesen und getan“ wegzuschmettern oder es gar anzuzweifeln. Sie wissen halt, dass jede Mutter ihre Erfahrungen mit einer Geburt, einem frisch gebackenem Baby und der Mutterrolle selbst machen muss und dass die Erwartungen oder Ansprüche an das Leben nach einer Geburt sich nochmal um 180 Grad drehen können.

Die Gewissheit über das Ungewisse

Das finde ich eigentlich am bemerkenswertesten an Eltern. Meine bisherigen Erfahrungen (und vielleicht hatte ich da Glück) waren eigentlich immer, dass es keine dogmatischen Meinungen gab. Klar, jeder hat so eine Vorstellungen und Ansprüche an das Familienleben, Bio-Kost frisch gekocht oder Gläschen, wann ein Kind ins Bett gehen soll, wo man Grenzen zieht und und und … Aber niemand hat je versucht, mir ins Gewissen zu reden.

Na klar, diese Beispiele beziehen sich jetzt alle auf meine Verhältnisse zu befreundeten Eltern. Aber auch „on the road“ gab es schon das ein oder andere Erlebnis, wo ich froh war, dass andere Eltern mir zur Seite standen. Angefangen auf Rhodos, der Butjer war gerade 3 Monate alt. Wir wickeln eigentlich mit Stoffwindeln und waren für den Urlaub auf Plastikwindeln umgestiegen. Leider haben wir irgendwie die falsche Größe ausgesucht oder sie nicht richtig umgemacht. Jedenfalls hat der Kleine die Windel bis aufs Äußerste gefüllt und die Kacke tropfte mir nur so vom nackten Bein.

Im Restaurant machten mich die Kellner zurückhaltend und freundlich darauf aufmerksam und liefen sofort los, um mir Feuchttücher zu holen. Wir haben uns tausend Mal entschuldigt und immer wieder nur einen Satz gehört: „It’s okay, we all have kids.“

Auch als unser Sohnemann im letzten Lissabon-Urlaub in den zwei Minuten, in denen er keine Windel umhatte, das Bett unseres Airbnb verschönerte, fanden unsere Gastgeber das überhaupt nicht schlimm, sondern lachten noch über unsere Misere …

Flexibel sein, sich nicht verrennen

Als Elternteil musst du an so viele Dinge denken: Windeln, Feuchttücher, Wundschutzsalbe für den Po, Trinkflasche, Snacks und so weiter … Es ist schon vorgekommen, dass ich das ein oder andere Teil vergessen hatte und in Momenten, in denen du unbedingt eine Windel brauchst, ist es einfach unbezahlbar, wenn du auf andere Eltern triffst, die dir aus der Patsche helfen können. Denn das tun die allermeisten liebend gerne.

Aber oft findet sich auch niemand, der helfen kann, das Kind weint und will nicht im Kinderwagen sitzen, sondern nur getragen werden. Und das, obwohl du in 20 Minuten mit einer Freundin verabredet wirst. Hier musste ich wirklich auf die harte Tour lernen, dass mein Planungs-Ego jetzt die nächsten Jahre erstmal etwas zurückstecken muss. Denn wenn mein Kind mies drauf ist, dann ist es mies drauf. Punkt aus.

Dann kann ich noch so lieb versuchen, ihn mit seinem Lieblingsspielzeug abzulenken oder ihm die fünfte „Knusperente“ in die Hand zu drücken – es hilft nichts. So habe ich aber auch gelernt, wie wichtig es ist, Prioritäten zu setzen und dringliche Dinge möglichst schnell zu erledigen, denn hinterher kommt immer alles anders als man denkt. Und dann ist es gut, die Prioritäten schon abgearbeitet zu haben. Ich bin viel flexibler geworden seit ich Mutter bin. Ich kann mich schneller konzentrieren und wesentlich schneller arbeiten, habe dafür aber natürlich auch viel weniger Zeit.

Unbeschränkt Verständnis haben

Ich bin Mutter und das als allererste Priorität. Aber es gibt auch viele Dinge, die meine Persönlichkeit sonst noch ausmachen und die in diesem ersten Jahr ziemlich untergegangen sind. Dazu gehört, dass ich immer viele Freunde und Bekannte hatte, viel unterwegs war und immer in Kontakt. Diese Zeiten sind nun vorbei, denn dazu kommt, dass meine zweite Priorität die Arbeit ist. Der Blog gleich nach meinem Baby und Freund. Und alles was danach kommt, hat einfach nicht mehr viel Platz in meinem Terminkalender.

Befreundete Eltern verstehen das sehr gut. Viele betreuen ihre Kinder auch selbst und verstehen, wie es mich zeitweise zerfrisst, meinen Kleinen nur morgens und abends zu sehen. Manche arbeiten selbst und verstehen gut, dass ich manchmal abends überfordert bin mit der Familien- und Zu-Bett-Bring-Situation Zuhause, weil mein Kopf die letzten fünf Stunden an ganz andere Dinge gedacht hat. Es ist irgendwie immer etwas traurig, wenn ich die Arbeit meinem Kind vorziehen muss, aber zum Glück macht mir meine Arbeit großen Spaß und ich will sie ja machen. Dass ich dann abends nicht unbedingt noch Lust habe, mich mit alten Freunden zu treffen und durch die Bars zu ziehen, sondern einen Abend mit meinem Freund auf dem Sofa vorziehe ist leider für viele nicht verständlich …Meine Mutti-Freundinnen hatte aber zum Glück bis jetzt immer ein offenes Ohr und Verständnis, wenn ch kurzfristig eine Verabredung absagen muss.

Hauptsächlich schreibe ich diesen Post wahrscheinlich aus Dankbarkeit. Für den kleinen Butjer, der mich jeden Tag neu fordert (gerade mit der Aufstehzeit 6:30 Uhr – dabei war 7:30 Uhr doch schon eine Herausforderung) und für alle großartigen Eltern, die mich bis jetzt auf meinem Weg als Elternteil supportet haben.

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