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Little Lilies Diary | 23. May 2017

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#MomTalk: Ich bin überfordert & brauche mehr Zeit für mich!

Pia
  • am 11. Mai 2017

Es gibt so viele bewundernswerte Mütter da draußen – und besonders im Internet. Ich wollte schon lange eine von ihnen sein, gerade deswegen habe ich relativ jung (mit 22 Jahren) mein erstes Kind bekommen.

Ich hatte eine – vielleicht etwas naive – Vorstellung von mir als Mutter, die die Zeit mit ihrem Kind genießt und nebenher noch Spaß daran hat, arbeiten zu gehen und den Haushalt zu schmeißen. Ich wollte kochen lernen, regelmäßig zum Yoga gehen und diesen Blog hier ganz nebenher großziehen …

Jetzt, ein Jahr nach der Geburt vom kleinen Butjer, bin ich ein bisschen mehr auf dem Boden der Realität angekommen und habe vor allem eines: Respekt für all die Wahnsinns-Mütter da draußen – die mit einem Kind, die mit zwei oder drei Kindern und die alleinerziehenden. Ich weiß inzwischen, dass niemand, der kein Kind hat, nachvollziehen kann, wie viel Arbeit darin steckt, dem Familien-, dem Arbeitsleben, den Ansprüchen an sich selbst und den eigenen (Ruhe-)Bedürfnisse gerecht zu werden.

Gerade für Mütter, die ihr Leben im Internet teilen, ist der Anspruch oft, jeden Tag ein gutes Instagram-Fotos zu posten, mindestens zwei Blogposts die Woche online zu stellen und nebenbei noch Kommentare zu beantworten und die Social-Media-Kanäle zu betreuen. Es hört sich vielleicht lapidar an, aber das ist verdammt viel Arbeit neben dem Familienleben.

Ich befinde mich wirklich in einer Luxusposition, da mein Freund ungefähr 70 % der Betreuung unseres Babys übernimmt und ich so relativ viel Zeit habe, für meine Arbeit (den Blog) und mich selbst. Seit ich Mutter bin, bin ich auch viel produktiver und schaffe in drei Stunden, wofür ich früher vielleicht fünf gebraucht hätte – zielorientiert und konzentriert Leistungen erbringen ist wohl etwas, was man zwangsläufig lernt beim Leben mit Kind. Dass die Arbeit läuft ist schön und macht mich froh, aber wenn ich dann abends wieder nach Hause komme bin ich oft so müde und es fällt mir schwer, mich auf das Familienleben Zuhause einzustellen.

Mein Freund zeigt so viel Verständnis, dass er den Kleinen oft auch noch füttert und ins Bett bringt, wenn ich zu abgelenkt bin von den tausend Dingen, die mir im Kopf herum schwirren. Dann kann ich mich hinlegen, oder mir ein Bier aufmachen und mich auf den Balkon setzen und runterkommen von meinem Tag. Die Schuldgefühle und Vorwürfe von mir selbst, dass ich es nicht schaffe, nach einem turbulentem Morgen, einem konzentrierten Arbeitstag und dem chaotischen Abendesse, Ruhe zu bewahren und den Kurzen ins Bett zu bringen, lassen aber nicht lange auf sich warten.

Wenn ich dann um 21 Uhr das Instagramfoto mit dem Bild von der Fahrradtour online stelle, die wir zwei Tage zuvor gemacht haben und schreibe, was für einen grandiosen Sommertag wir hatten, dann stimmt das zwar, entspricht jedoch nicht immer unbedingt dem Abbild des realen Moments. Das darf auch ich nie vergessen, wenn ich durch meinen Instagram-Feed scrolle und sehe, was alle die anderen #InstaMoms „den Tag über so gemacht haben“.

Realtalk: Ich bin seit einem halben Jahr nicht mehr zum Yoga gegangen und habe auch Zuhause nicht die Energie, eine 20-minütige Yoga-Stunde mit Maddie „wegzuturnen“. Mein Freundeskreis hat sich um circa die Hälfte reduziert, weil Familie und Arbeit 90 % meiner Zeit einnehmen und meine Freundschaften da schnell auf der Strecke blieben. Ich war seit einem Jahr nicht mehr im Kino. Das letzte Date mit meinem Freund ist zwei Monate her. Ich bestelle mindestens einmal die Woche Pizza, weil wir uns abends oft nicht aufraffen können, noch etwas zu kochen (trotz Thermomix).

Weil Svenja in ihrem sehr persönlichen, wunderbaren Blogpost so schön schreibt „Lasst uns herausrufen, wenn es uns nicht gut geht!“ möchte ich dies hiermit tun: Es ist eine verdammt anstrengende Zeit, dieses erste Jahr mit einem Kind. Viele Dinge verändern sich und ich muss jeden Tag aufs Neue lernen, mich anzupassen. Das ist anstrengend und manchmal frustrierend, weil ich meinen Ansprüchen an mich selbst oft nicht gerecht werden kann. Ich brauche die Mittagsschläfchen und die Netflix-and-Chill-Abende. Genau das ist der Grund, warum unsere Wohnung auch seit über einem Jahr noch nicht fertig eingerichtet ist – es fehlt Zeit, es fehlt Energie, es fehlt die Dringlichkeit, es wirklich und wahrhaftig fertig zu machen.

Ich habe mir letzte Woche endlich eingestanden, dass ich mehr Zeit brauche für mich und ein gutes Gewissen dabei haben möchte. Deswegen werden wir ab nächstem Monat Unterstützung in Form einer Tagesmutter haben, die zweimal die Woche auf unseren Kurzen aufpassen. Auch wenn das finanziell eigentlich nicht drin ist, muss es irgendwie klappen, denn wir brauchen auch mal Zeit für uns. Wirkliche, freie Zeit, die wir mit gutem Gewissen genießen können.

Ich habe in meinem ersten Jahr als Mutter eines ganz sicher lernen müssen: Ich muss auf mich selbst zu hören. Ich muss mir vergeben können, wenn ich nicht den Ansprüchen an mich selbst gerecht werde. Ich muss keinen Wert legen auf die Ansprüche anderer an mich. Und um eine gute und relaxte Mutter zu sein, muss es mir selbst gut gehen, denn: glücklich, entspannte Eltern = glückliche, entspannte Kinder!

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